50 Jahre Deutscher Bergführerverband - Anderl Heckmair

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50 Jahre Deutscher Bergführerverband
15.02.2019
50 Jahre Deutscher Bergführerverband
Im Februar 1969 wurde der VDBS gegründet – Auf Anderl Heckmair folgte der Berchtesgadener Franz Rasp als Vorsitzender

In den Pioniertagen des Bergsteigens, als die Alpen erschlossen und die Berge erstmals bestiegen wurden, entstand auch der Beruf des Bergführers. Immer mehr abenteuerlustige Herrschaften zog es ins Gebirge, und die suchten dann nach einem ortskundigen Mann, der womöglich auch noch das Gepäck übernahm. Bereits in dieser Zeit gab es Persönlichkeiten, die sich als Führer einen großen Namen erwarben, wie im Berchtesgadener Raum etwa ein Johann Grill (1835-1917), allseits bekannt als der »Kederbacher«, Deutschlands erster autorisierter Bergführer aus der Ramsau. Schon damals ein verantwortungsvoller Beruf, übernahm der Alpenverein die Aufsicht, legte 1880 eine einheitliche Führerausbildung sowie die Bergführerordnung fest und bestimmte auch die Entlohnung – allerdings eher zum Vorteil der Gäste. Als sich die Bergführer Frankreichs, Österreichs, Italiens und der Schweiz schließlich 1965 zur Internationalen Vereinigung der Bergführerverbände (IVBV) zusammenschlossen und die Deutschen auch dabei haben wollten, kam vom Alpenverein keine Unterstützung. Bis Anderl Heckmair, der legendäre Bergführer und Erstbegeher der Eiger-Nordwand, die Sache in die Hand nahm.
Anderl engagierte sich für die Belange der Bergführer.
© Archiv Heckmair-Auffermann
Heckmair, der sich viele Jahre in der Ausbildung der Bergführer engagiert hatte, und anderen Berufskollegen gefiel die Reglementierung durch den DAV längst nicht mehr – es war an der Zeit, sich selbst zu organisieren. Zudem hatte der Oberstdorfer erkannt, wie wichtig internationale Zusammenarbeit war. Auf seine Initiative kam es im Mai 1968 zum ersten Kontakt mit dem IVBV, doch schnell wurde klar: Die deutschen Bergführer konnten unter dem Dach des Alpenvereins nicht aufgenommen werden – ein unabhängiger Berufsverband musste her.

Nach unermüdlicher Vorbereitung durch Heckmair und einige Mitstreiter war es am 15. Februar 1969 soweit: Der Verband der Deutschen Berg- und Skiführer (VDBS) wurde gegründet, Anderl Heckmair zum Vorsitzenden gewählt und bald darauf der Aufnahmeantrag beim IVBV gestellt. Heckmair behielt sein Amt bis 1974, um es dann an den Berchtesgadener Franz Rasp (1940 bis 1988), den Vater des heutigen Bürgermeisters, zu übergeben, der dann 1981 zudem Präsident des internationalen Verbandes wurde.
Berchtesgadener Anzeiger 31.01.2019: „50 Jahre Deutscher Bergführerverband", von Uli Auffermann
Heute ist Bergführer Michael Lentrodt Präsident des VDBS. Und er weiß: Vieles hat sich inzwischen geändert. Vor allem hätten sich die Tätigkeitsfelder massiv ausgeweitet, Mountainbikefahren, Eisklettern oder auch Canyoning gehörten nun ebenso zum Repertoire eines Bergführers. Und der Experte ergänzt: »Dazu kommen die Kurse in Hallen oder dass im November zum Klettern nach Arco oder nach Griechenland gefahren wird. Und Trekkingtouren, die früher nur vereinzelt stattfanden, sind schon länger immer beliebter geworden.« Großes Organisationstalent, das Beherrschen von Fremdsprachen, mit anderen Kulturen zurechtkommen und vieles mehr ist heute gefordert. Was das Image des Bergführerberufs angeht, da ist der Präsident des VDBS sehr selbstbewusst: »Der Bergführer ist eine starke Marke. Er steht für Umsicht, Weitsicht, Verantwortungsbewusstsein und Fitness. Denen vertraut man sein Leben an.« Denn er habe Kompetenzen, die nur ein echter Profi vorweisen könne. »Es ist nach wie vor eine Herausforderung, in die Öffentlichkeit zu transportieren, dass es nur einen staatlich geprüften Berg- und Skiführer gibt«, betont Lentrodt. »Dabei ist die Ausbildung das eine, und das andere die Berufserfahrung, die man als Bergführer hat, wenn man 20 bis 30 Wochen im Jahr unterwegs ist.« Allerdings, auch heute lässt der Verdienst noch Luft nach oben. Es gibt also 50 Jahre nach der Gründung des VDBS immer noch reichlich Aufgaben. Doch zitiert man erneut Anderl Heckmair, so ist die Zukunft der Bergführer gesichert. »Jeder Gelegenheitsbergsteiger sollte sich einen Bergführer engagieren, denn der ist viel billiger als später die Blumen auf dem Grab.«
Bergführertreffen in den 1970er-Jahren. © Archiv Heckmair-Auffermann
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